H. Brockhaus – Orient 1857/58

19,80 

Heinrich Brockhaus
Tagebücher
Reisen in den Orient 1857 bis 1858
Hg. von Hartmut Bobzin und Jens Kutscher
Paperback, 232 Seiten, 13 Abb.
ISBN 978-3-980898-36-2

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Beschreibung

Heinrich Brockhaus unternahm in den Jahren 1857 und 1858 zahlreiche ausgedehnte Reisen im Orient. Er wohnte in Kairo, Jerusalem, Damaskus und Konstantinopel, verkehrte u.a. mit dem berühmten Orientalisten Georg Rosen und dem Arabisten Johann Gottfried Wetzstein, traf den ägyptischen Vizekönig Mohammed Ali, begab sich auf eine mehrwöchige Nilreise, erlebte den Auszug einer Pilgerkarawane, eine orientalische Oper und tanzende Derwische …
Spannende und authentische Schilderungen, die nun erstmals in einer von ausgewiesenen Orientwissenschaftlern kommentierten Edition veröffentlicht werden.

Leseprobe

Auf dem Nil, März 1858
Eine zweite Hauptperson auf der Barke ist der Koch Ibrahim; bei diesem Namen ist die letzte Silbe scharf zu betonen. Er und der Dragoman zusammen arbeiten ungefähr so viel an einem Tage, als ein tüchtiger Mensch bei uns in einem halben Tage zu Wege zu bringen pflegt; aber als Koch ist gegen den faulen Schlingel nichts zu sagen. Er leistet auf seinem Duodezherde wirklich nichts Gewöhnliches, und ist das Resultat seiner Kochkunst gut, so fragt man am besten nicht danach, ob der Kerl sich alle Tage wäscht, oder ob er während der Zubereitung zarterer süßer Gerichte die Pfeife im Munde behält. Ländlich, sittlich! ich werde zu Hause oft an Ibrahim’s Leistungen erinnern, seine Suppen und sogenannten Eier- und Mehlspeisen sind meisterhaft. Auch für Ibrahim leben wir sicherlich viel zu einfach, und diese Einfachheit wird vielleicht nur mit meinem Befinden, das strenge Diät erheischt, entschuldigt. Meist lebt man auf dem Nil seitens der Fremden wirklich luxuriös, wie ich mich auf einigen Barken zu überzeugen Gelegenheit hatte. Das Raffinement ist bei manchen geradezu grandios, wie z. B. jetzt bei Theben eine Barke lag, die ein von London mitgebrachtes Fortepiano führte, und dort Eis serviren konnte, ob von Kairo mitgebrachtes oder selbst zubereitetes, weiß ich nicht.

Jerusalem, 4. Mai 1858
Wir erhielten eine Einladung zu einem Mufti, der in Beziehungen zum preußischen Consulat steht, und der zugleich einer der angesehensten arabischen Dichter ist. Erst nach Sonnenuntergang konnte gegessen werden, weil während des Ramadan die Muselmanen erst dann etwas zu sich nehmen dürfen. Auch hier saßen wir auf Polstern auf der Erde, wobei besonders die mit langen Beinen Begabten einige Noth haben, sie unterzubringen. Die Speisen standen auf einem kolossalen Präsentirbret, das wiederum auf einer Art von Credenztischlein stand. Zwei und zwei erhielten eine Art von Serviette umgehängt, kolossale Leuchter standen auf dem Boden. Die Speisen waren ausgezeichnet, der Pillau famos, und ich begreife die Vorliebe der Leute für dieses Gericht. Außer uns vier waren noch der Wirth und Rosen’s Dragoman bei Tische, die Unterhaltung war belebt, das Fest überhaupt allerliebst. Diesmal aß nur der Wirth mit den Händen. Aber nicht genug, daß Schah Assad uns vortrefflich bewirthet, er hat uns auch in einer langen Khaside besungen, die er vor einigen Tagen brachte.

Auf der Fahrt nach Smyrna, Juli 1858
Dieses Nargileh-Rauchen hat wirklich etwas recht Anziehendes, nur entbehre ich es nicht, wo ich es nicht habe, und zur Leidenschaft wird es sich bei mir nicht ausbilden. Zwar wird wol noch diesen Herbst von Beirut eine Partie türkischen Tabacks für Tschibuks und Nargilehs kommen, doch habe ich dabei weniger an mich als an diejenigen gedacht, für welche ich aus Kairo und Konstantinopel Rauchgeräthschaften mitbringen werde.

 

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