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Andrés Ortiz-Osés
Razón y sentido. Aufsätze zur symbolischen Hermeneutik der Kultur

Carmen

Die Oper Carmen zeigt uns ihre maskuline Hauptfigur Don José bei Entscheidungen – zwischen Mutterland und geliebtem Land, zwischen Baskenland und andalusischem Gebirge, zwischen Pflichterfüllung und Schmuggel, zwischen Micaela und Carmen. Nur wenige scheinen sich dessen bewusst zu sein, dass der gute Don José, obwohl er aus einer idyllischen (weil idealisierten) Welt stammt, zum genus draconteum gehört: Er ist (zwar ein kleiner, aber immerhin: Gefreiter) Drachen des Dragonerregiments von Alcalá, steht selber geopsychisch zwischen dem Vaterland der Ehre und der Unterwelt der Zigarrenverkäuferinnen, unter denen Carmen sich hervortut - die Zigeunerdrachin.
Der kleine Drache Don José gegen die große Drachin: Carmen, die Hexe, der rotschwarze Engel, die Femme fatale. Wenige wissen, dass Carmen auf Latein zugleich "Webkette" und "Zauberformel" bedeutet – von carmiro, was die Webkette des Schicksals karden (beschwören) heißt, also bestimmen, Schicksal spielen [destinar]. Carmen oder die Bestimmung Don Josés: Geschick eines Ungeschickten [destino de un desatino], Endlötung des Soldaten [soldadura final del soldado], Ende des Matadors – der, nach der schönen Definition des Librettos, selbst alles "zu Ende führen" muss.

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