.PHILOSOPHIE/HISPANISTIK

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Andrés Ortiz-Osés
Razón y sentido. Aufsätze zur symbolischen Hermeneutik der Kultur

Eurofratrie

Der Mythos Europas erzählt uns, wie jeder Mythos, eine tiefreichende Wirklichkeit: Die phönizische Prinzessin (Europa) wird von einem solaren Stier-Zeus entführt, der sie nach Kreta bringt, wo sie den König Minos und andere wichtige europäische Sprösslinge gebären wird. Durch diesen Mythos bekommen wir bedeutende Angaben über Europa: erstens, dass sie orientalischer bzw. phönizischer Herkunft ist, was eine Andeutung auf den ursprünglichen Handels-Charakter Europas zu sein scheint; zweitens, dass Europa auf jener Insel Kreta Mutter wird, die seit langem als Matria, Mater oder Matrix der europäischen Kultur anerkannt wird; drittens, dass der Gott-Vater Zeus sie entführt, wobei eine gewisse aggressive Mitpräsenz der indoeuropäischen Invasoren gegenüber der ursprünglichen mediterranen (ägäischen oder minoischen) Zivilisation impliziert wird.
Diese Art beinahe ödipaler "Triangulierung" des Mythos Europas symbolisiert die hermeneutische Struktur unserer gemeinsamen Europäität: ein dunkler oder besser gesagt verdunkelter orientalischer Ursprung um den Archetyp der Magna Mater, die ursprüngliche Abstammung des Königs Minos von Kreta (mediterrane Zivilisation), und der indoeuropäische, entführende Gott als Triebfeder [movilizante] der ursprünglichen Szene.

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