|
| Rezensionen |
|
|
Ewger Seeliger.............
Messias Humor.
Fragmente einer Autobiographie 18771959
Herausgegeben von L. Alexander Metz
mit Kommentaren und einem Nachwort von Max Heigl
Hardcover mit Lesebändchen,
320 Seiten, Abb., 24,80 EUR
ISBN 3-938498-06-4 |
|
|

"Ein jahrhundertlicher
Wahnsinn" |
Ewald Gerhard Seeliger wurde
1877 geboren. Er ist, um im Jargon zu bleiben, ein echter Bananenfürst.
Ewger Seeliger nannte er sich. Ebenfalls ein Vielschreiber, ebenfalls
einer, der seriell schrieb. Anders als Landsberger hatte er einen
Goethe- und Messiaskomplex. Er schrieb zumindest einen immens erfolgreichen
Turbulenzroman, Peter Voß der Millionendieb (1913), 1958
mit O.W. Fischer verfilmt. Und er schrieb 1922 das Handbuch des
Schwindels, ein ebenso kauziges wie originelles Brevier gegen die
Hordendummheiten dieser Welt, wie Krieg, Obrigkeit, Literaturbetrieb
und deren Derivate. Ob Seeliger ein Klapskopf war, der sich normal
gab, oder ein Eulenspiegel, der sich den § 51 verschaffte,
wird wohl nie herauszubekommen sein. Sein fürsorglicher Nachlebens-Anwalt
Max Heigl hat aus dem Nachlass ediert, was man Fragmente einer
Autobiographie nennen könnte. Allein die wechselnden Titel,
die das Manuskript zwischen den zwanziger und fünfziger Jahren
trug, sind die Lektüre wert. Jetzt heißt es Messias
Humor. Das ist sprachmächtige Schwurbelistik in Reinstform.
Arno Schmidt muss einen Gutteil seiner Marotten hierher haben.
Da wird jemand "begoethet" oder es "sirent Helen
sopranisch" - getreu dem Motto: "Wenn ich Sätze
brauche, so pflege ich mir diese Gebrauchsgegenstände selbst
anzufertigen." Diese zerrupfte Biographie, eine Mixtur aus
Großmannssucht und Hinterlist, spielt mit Dokumenten bewehrt,
jeweils in der Weimarer Republik, im Dritten Reich und in der Bundesrepublik
das Experiment durch, wie man sich für verrückt erklären
und dabei die Erklärenden als die wahrhaft Irren erscheinen
lassen kann. Ein jahrhundertlicher Wahnsinn.
Erhard Schütz |
|
|

"der potshume
Schutzengel Ewald Seeligers" |
[...] Sein Leben war das eines
großen Unangepassten, eines Freidenkers, und das ist es,
was uns vielleicht am meisten an ihm fasziniert. [...] Lange Zeit
galt die Autobiographie als verschollen. Jetzt ist sie doch noch
erschienen, in dem Erlanger Wissenschaftsverlag "filos".
[...] Natürlich stammt der Kommentar von keinem anderen als
Max Heigl. Er scheint der potshume Schutzengel Ewald Seeligers
zu sein [...]
Berhard Setzwein |
|
|

"voll
analytischen Scharfsinns" |
[...]
Unversperrtheit, Respektlosigkeit, Frechheit, dabei unbedingte
Gewaltfreiheit dies gehörte zum Kern des in den Grundzügen
durchaus aufklärerischen Denkens von Seeliger
[…] voll analytischen Scharfsinns und zugleich voller
wortreichem Geschimpfe und hemmungsloser Beredsamkeit;
ihre Argumentation ist mäandrierend-assoziativ, die Suada
an einigen wenigen Stellen auch vernagelt,
aber kaum je wirklich dumm und vor allem
nie langweilig.
Jörg Drews |
|
|

"ein
graphomanischer Großkauz" |
[…]
er war ein graphomanischer Großkauz, wie er nur im Buche
steht! […] Dabei explodieren diesem
närrischen Kapuziner regelmäßig die Worteinfälle,
da schwirren nur so die Wortbrocken zwischen Rabulistik und
Rabelais […], Kreuzung aus Karl May und
Jean Paul.
Erhard Schütz |
|
|

"sprachlicher
Gewalttäter, aber Pazifist" |
einer
der nicht eben häufigen deutschen Literaturkäuze […].
Ein Verbosnik, Skriptomane, Meinungskolportant sprachlicher
Gewalttäter, aber Pazifist, lammfriedlich, aber Querulant.
Erhard Schütz |
|
|