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Hans
Ernst
Schlusslichter. Erinnerungen eines Auswanderers 19311960
Leseprobe
Zurück zu den Ereignissen
unserer Flucht. Unser Zug hielt auf einem Bahnhof, ich erinnere
mich nicht mehr an die Stadt. Wir öffneten die Schiebetür,
brachten den toten Mann und seine Frau auf den Bahnsteig. Ein Beamter
sagte uns, der Zug würde erst in einer halben Stunde weiterfahren.
Nun, das war das Signal für meine Großmutter und mich
hinauszuspringen, um etwas Essbares zu suchen. Hier muss ich erklären,
dass bei den meisten europäischen Bahnhöfen Treppen von
den Bahnsteigen hinunter zu einem Tunnel führen, durch den
man zum Hauptgebäude gelangt. Wir bekamen tatsächlich
etwas Brot und Wasser. Wieder am Gleis zurückgekehrt, sahen
wir in der Ferne die Rücklichter unseres Zuges, mit meiner
Mutter und den drei Brüdern noch in dem Güterwagen. Ich
kann nicht den Schrecken beschreiben, der meine Großmutter
und mich erfasste, als wir jene Schlusslichter verschwinden sahen.
Es war keine Seele in Sicht, und nie in meinem weiteren Leben hat
mich so die Verzwei.ung gepackt wie da. Endlich, nachdem es uns
wie eine Ewigkeit erschienen war, entdeckten wir am Ende des Gleises
einen Mann mit einer roten Laterne. Wir rannten auf ihn zu, als
wäre er ein Gott, um herauszubekommen, was mit dem Zug geschehen
war, der hier gestanden hatte. Nun, ihr wisst, wie Amtspersonen
sein können. Er sagte nur: Der Zug hat die Gleise gewechselt
und kommt gleich auf der anderen Seite wieder zurück.
Wir konnten kaum mit dem Weinen aufhören, auch nachdem wir
mit meiner Mutter und meinen Brüdern wieder vereinigt ...
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