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| Erinnerungen 1934–1950

Irmgard Diers
Kriegswehen. Erinnerungen an eine Kindheit 1934–1950
Hardcover mit Lesebändchen, 126 Seiten, Abb.,
18,50 EUR
ISBN 978-3-938498-07-1

Irmgard Diers, 1934 im ostpreußischen Eylau geboren, erlebte die letzten Jahre des Dritten Reiches als Kind, sah, wie Verwandte und Bekannte vor den herannahenden russischen Soldaten flüchteten – sie selbst versteckte sich im Keller einer verlassenen Villa ...

"ein faszinierendes Buch"

Ein faszinierendes Buch über die Kriegs- und Nachkriegszeit hat die in Lahnstein lebende Autorin Irmgard Diers verfasst.

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Die Lahnsteinerin Irmgard Diers hat den Zweiten Weltkrieg hautnah miterlebt. In ihrem neuesten Buch Kriegswehen. Erinnerungen an eine Kindheit 1939 bis 1950" berichtet die Schriftstellerin von der schrecklichen Zeit während des Zweiten Weltkrieges und den letzten Jahren des Dritten Reiches.

1934 im ostpreußischen Eylau geboren, ist Diers sechs Jahre alt, als der Krieg beginnt. "Erst im August '45 konnten meine Mutter, meine zwei Geschwister und ich fliehen", erzählt sie. "Auch eine verlassene Arztvilla diente uns als Versteck vor den Russen." Detailliert begleitet der Leser die Familie auf ihrer Flucht vor der russischen Armee nach Deutschland. "Unter schlimmstenBedingungenmussten wir uns durchschlagen", so die Autorin. Zu diesem Zeitpunkt war Diers bereits zehn Jahre alt – ein Alter, in dem man an fängt, das Leben zu begreifen. "Meine Kindheit war ausschließlich durch den Krieg geprägt", berichtet die Schriftstellerin. Doch: "Auch nach 1945 wurde alles totgeschwiegen, Erinnerungen wurden einfach zugeschüttet" Erfahrungen, welche die 72-Jährige auch heute noch emotional bewegen. Einziger Halt und Mittelpunkt während der Flucht war ihre Mutter. Sie sorgte für Lebensmittel und kannte die Verstecke für sich und die Kinder. "Meine Mutter war eine kluge Frau, sie wusste stets eine Lösung auch aus schier ausweglosen Situationen", berichtet die Autorin.

Die Familie überlebte die unzähligen Bombenangriffe, die darauf folgende Armut und den Hunger. "Alles war auf den Kopf gestellt, doch wir gewöhnten uns an diese Situation. Nach 1945 ging es dann langsam auch wieder aufwärts erzählt Diers. Auch die Jahre nach Kriegsende bleiben nicht unerwähnt. Der Leser begleitet Diers bis zu ihrer Hochzeit.

Mit 16 Jahren heiratet sie und wird selbst Mutter von zwei Kindern. Die Ehe dauerte 46 Jahre. Erst im Jahre 1972 zog die pensionierte Sekretärin mit ihrem Mann nach Lahnstein, Den Hauptgrund, weshalb sie mit dem Schreiben begann, erklärt Diers so: "1951 haben meine Eltern noch einmal Nachwuchs bekommen – ein Nachkömmling. Für ihn habe ich dieses Buch geschrieben. Ich wollte, dass er erfährt, was für eine tolle Frau seine Mutter ist und was sie für uns in den Kriegsjahren geleistet hat." Viele Informationen entnimmt Diers auch aus Briefen, die ihre Mutter einst verfasst hat. So hilft mir das Schreiben auch, die erlebten Ereignisse besserzuverarbeiten."

Tobias Diehm

"So erreicht die Autobiografie eine Intensität, die viele gleichaltrige, aber auch jüngere Leserinnen und Leser sicher in ihren Bann ziehen kann."

[...] kulturhistorisch und literarisch neue Reihe autobiographischer Schriften. Menschen aus unterschiedlichen Regionen und sozialen Milieus, intensive Schilderungen, die persönliche Schicksale, Zeitgeist und große Weltgeschichte verbinden.

Der vorliegende Band 4 unter dem Titel „Kriegswehen• erzählt die Kindheit und Jugend der heute in Lahnstein wohnenden, 1934 im ostpreußischen Eylau geborenen und dort aufgewachsenen Irmgard Diers. Sie beschreibt in ihren Erinnerungen die Jahre von 1934 bis 1950, die anfangs von Nazipatriotismus und Kriegswirren, bald darauf von Flucht und Entbehrungen geprägt sind. Erzählt aus der Sicht des heranwachsenden Kindes, das die letzten Jahre des Dritten Reichs in der Familie erlebt, wird jene Zeit des Untergangs und der Vertreibung noch einmal in vielen Facetten lebendig. Die Autorin schildert als Ich-Erzählerin einfühlsam und anschaulich die Erlebnisse einer Kindheit, die in der ostpreußischen Kreisstadt nur kurz idyllisch waren und dann vom (noch fernen) Krieg bestimmt werden, bis schließlich die Stadt selbst zum Kriegsschauplatz wird. Die Russen nahen Anfang 1945, im letzten harten Kriegswinter flüchten viele Nachbarn auf unsicheren Wegen gen Westen, während die Familie zunächst im eroberten Ostpreußen verbleibt und sich mit den Siegern zu arrangieren versucht. Der tägliche Kampf ums Überleben, die Suche nach Unterkunft und Nahrung stehen im Mittelpunkt. Schließlich wird die Flucht, die über Posen, Halle, Berlin und Hannover gelingen wird, unausweichlich. Die Mutter wird in der schweren Zeit zur zentralen Figur, die das Überleben der Familie sicherstellt. All das fängt Irmgard Diers mit großem sprachlichem Geschick im Rückblick ein und kann sich noch einmal in die Gedankenwelt ihrer Kindheit und Jugend zurückversetzen. So erreicht die Autobiografie eine Intensität, die viele gleichaltrige, aber auch jüngere Leserinnen und Leser sicher in ihren Bann ziehen kann. Zeitzeugen jener Epoche gibt es immer wieder, hier liegt ein überaus lesenswertes persönliches Zeitdokument vor, das für eine ganze Generation gilt. Vielleicht sollte die Autorin über eine Fortsetzung ihrer ereignisreichen Familiengeschichte nachdenken, wenn schon nicht als Autobiografie, so doch als Roman mit autobiografischen Motiven; bei diesem literarischen Debüt wäre es zu wünschen. Für alle Bibliotheken sehr empfohlen.

Jürgen Seefeldt

"kurzweilig und lebendig"