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Heinrich Brockhaus Tagebücher. Reisen in den Orient 1857 bis 1858
Hg. von Hartmut Bobzin

Jerusalem, 4. Mai 1858
Wir erhielten eine Einladung zu einem Mufti, der in Beziehungen zum preußischen Consulat steht, und der zugleich einer der angesehensten arabischen Dichter ist. Erst nach Sonnenuntergang konnte gegessen werden, weil während des Ramadan die Muselmanen erst dann etwas zu sich nehmen dürfen. Auch hier saßen wir auf Polstern auf der Erde, wobei besonders die mit langen Beinen Begabten einige Noth haben, sie unterzubringen. Die Speisen standen auf einem kolossalen Präsentirbret, das wiederum auf einer Art von Credenztischlein stand. Zwei und zwei erhielten eine Art von Serviette umgehängt, kolossale Leuchter standen auf dem Boden. Die Speisen waren ausgezeichnet, der Pillau famos, und ich begreife die Vorliebe der Leute für dieses Gericht. Außer uns vier waren noch der Wirth und Rosen's Dragoman bei Tische, die Unterhaltung war belebt, das Fest überhaupt allerliebst. Diesmal aß nur der Wirth mit den Händen. Aber nicht genug, daß Schah Assad uns vortrefflich bewirthet, er hat uns auch in einer langen Khaside besungen, die er vor einigen Tagen brachte.

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