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Heinrich Brockhaus Tagebücher. Reisen in den Orient 1857 bis 1858
Hg. von Hartmut Bobzin

Auf dem Nil, März 1858
Eine zweite Hauptperson auf der Barke ist der Koch Ibrahim; bei diesem Namen ist die letzte Silbe scharf zu betonen. Er und der Dragoman zusammen arbeiten ungefähr so viel an einem Tage, als ein tüchtiger Mensch bei uns in einem halben Tage zu Wege zu bringen pflegt; aber als Koch ist gegen den faulen Schlingel nichts zu sagen. Er leistet auf seinem Duodezherde wirklich nichts Gewöhnliches, und ist das Resultat seiner Kochkunst gut, so fragt man am besten nicht danach, ob der Kerl sich alle Tage wäscht, oder ob er während der Zubereitung zarterer süßer Gerichte die Pfeife im Munde behält. Ländlich, sittlich! ich werde zu Hause oft an Ibrahim's Leistungen erinnern, seine Suppen und sogenannten Eier- und Mehlspeisen sind meisterhaft. Auch für Ibrahim leben wir sicherlich viel zu einfach, und diese Einfachheit wird vielleicht nur mit meinem Befinden, das strenge Diät erheischt, entschuldigt. Meist lebt man auf dem Nil seitens der Fremden wirklich luxuriös, wie ich mich auf einigen Barken zu überzeugen Gelegenheit hatte. Das Raffinement ist bei manchen geradezu grandios, wie z. B. jetzt bei Theben eine Barke lag, die ein von London mitgebrachtes Fortepiano führte, und dort Eis serviren konnte, ob von Kairo mitgebrachtes oder selbst zubereitetes, weiß ich nicht.

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